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Juli 22, 2009

München und Alpenvorland

Filed under: Alles,Lebendig,Persönliches,Spass am Leben — Julchen @ 10:42 pm

Einfach frei sein. Zumindest innerhalb der Bundesrepublik Deutschland, mit einem 37 Euro-Ticket der DB. Bummelzug fahren, es dauert, man kommt nicht wirklich schnell voran, aber man hat ja Zeit. Frei sein und so. Einfach kaufen, und mal zum nächsten großem Bahnhof fahren, nach Dresden, dort einen lustigen Zug aussuchen, 2 Stunden Aufenthalt. Stadtbummel durch Dresden, beim ersten Mal war das Ganze irgendwie beeindruckender.
Dann nach Nürnberg. Dort den Turm und schöne alte Häuser gesehen in der letzten Abendsonne, weiter nach München. Es wird dunkel. Einen ganzen Tag nur Zug gefahren. Dabei handelt es sich um eine ziemlich anstrengende Art des Nichtstuns. Die Klimaanlage nervt. Ich glaub ich schwitz und stinke eigentlich lieber in uralten Zügen als tiefgekühlt transportiert zu werden. München dann. Zwar immer noch Regen, aber es ist wenigstens nicht mehr kalt. Wärme.
Am nächsten Tag dann endlich Sonne. Und vorbei am Justizgebäude zum Karlsplatz / Stachus, durch die Fußgängerzone zum Marienplatz. Und überall stehen Musikgruppen, Musiker, die Menschenmassen mit ihrer Musik anlocken. Musiker, die spielen können. Am Marienplatz altes und neues Rathaus beschaut, weiter zum Viktualienmarkt, Metzger an Metzger zum Hofgarten und in den Englischen Garten. Dort, auf dem künstlichen Wildbach, trotz eines „Baden und Surfen Verboten“-Schildes, warten Surfer auf die Welle, reiten auf der Strömung und lassen sich dann treiben.

Eine erfrischende Abkühlung bei der Hitze.
Am nächsten Tag haben wir dann das Deutsche Museum in München besichtigt – echt cool, was es da alles gibt: Flugzeuge, Schiffe, eine Kopie von einer Höhle mit Steinzeithöhlenmalerei, Mathematik und viel mehr, viel zu viel für einen Tag und einen Kopf.
Vom Olympiaturm im Olympiapark haben wir dann eine wunderbare Aussicht über die ganze Stadt genossen, und den Abend am Sendlinger Tor und in Schwabing ausklingen lassen.
Und dann: Schnauze voll von Stadt und Menschenmassen, von Lärm und Hupen. 20kg Rucksack auf dem Rücken gen Süden, gen Alpen. Ein, zwei Straßenzüge die Straße entlang der Isar, dann in die Isarauen auf Trampelpfaden durch die Wiesen, durch Geröllfelder des Bergbaches.

Nach weniger als einer Stunde ist die Großstadt fast vergessen. Mal an der Isar, mal oberhalb der Isar durch den Wald, immer weiter, immer weiter ins Grüne, immer weiter zu den Alpen. Nach 25km ist dann irgendwann Schluss. Aus. Vorbei.

Ich mag nicht mehr, und wir laufen nicht mehr weiter, sondern suchen uns ein Zimmer.
Aber mal zu Fuß über oder durch die Alpen – das wär mal was :)
Der nächste Tag ist dann wieder gechillter: Wir haben eingesehen, dass wir in drei Tagen nicht bis zu den Alpen gelangen werden, und gehen stattdessen zu den Isarstränden: Schwimmen in der Isar. Mit der Strömung schwimmen geht unglaublich schnell, gegen die Strömung schwimmen ist (mir) unmöglich. Schließlich reißt einen der Fluss auch so im stehen fast um.
Freitag dann mit der S-bahn zum Starnberger See. Irgendwie ist der Chiemsee schöner, aber wir sehen am Horizont Berge. Alpen. Schön. Abends dann zurück in München, in der Fußgängerzone stehen bestimmt hundert Menschen um eine Musiktruppe mit Flügel, Chello, Kontrabass, Geige und Querflöte versammelt und hören begeistert den bekannten klassischen Stücken zu. Technisch nicht perfekt, aber dafür mit Leidenschaft gespielt. Bis…es donnert und blitz und regnet und gießt und pladdert. Weltuntergang und so. Obwohl wir unter einem 40m langen Überbau stehen, peitscht uns der Regen nur so um die Ohren. Der arme Flügel. Und nach dem Unwetter ist es plötzlich kalt, wir gammeln bis um 2 Uhr in der Frühe am Bahnhof rum, dann kommt der Zug. Erst mal nach Augsburg, der RE ist gut gefüllt, erstaunlich, wie viele Leute so billig durch Deutschland reisen, viele davon fahren bis NRW weiter. Mein Rucksack ist mittlerweile leicht geworden, alle Klamotten (Top, Tshirt, Pulli1, Pulli2, Jacke) haben wir übereinander gezogen und es ist immer noch kalt. In Treuchtlingen 40 Minuten Aufenthalt, doch der Zug steht schon da, alle staunen: Alles 1. Klasse Abteile. Doch irgendwann entdecken die ersten die Pappschilder an den Türen: 2. Klasse. Müffelnde, alte 1. Klasse Abteile aneinandergekoppelt, immerhin sind da drei Sitze nebeneinander. Schlafen. Es ist schließlich schon um drei Uhr in der Frühe. Aber nicht der Wecker weckt uns, sondern die Kälte. Eisig. Warum hab ich keine Decke dabei? *klapper*
Im nächsten Zug reißen erfahrene Nachtfahrer erstmal die Fenster auf, schicken uns ins nächste Abteil und meinen „Stellt halt die Heizung hoch, wenn ihr friert“. Gesagt, getan.
Umsteigen in Würzburg, Hanau, Friedberg, Gießen, Köln und dann: zu Hause. Müde und erschöpft. Aber was erlebt.

Nachtrag: Die Bayern sind ja schon komisch – so was gibt es sonst nirgends, oder?

Juli 19, 2009

Sachsen – Sächsische und Böhmische Schweiz

Filed under: Alles,Geschriebenes,Lebendig,Persönliches — Julchen @ 9:34 pm


Es ist schon seltsam, wie einem die Wortwahl der älteren Generation manchmal in Fleisch und Blut übergeht. Wir fahren in die alte Heimat, zum zweiten Mal gemeinsam. Doch was ist (die alte) Heimat überhaupt? Kann ich etwas Heimat nennen, nur weil meine Großeltern daher stammen? – wohl kaum. Weil dort Konditorkuchen und Kneipenessen billiger ist?

Die Elbe ist hübsch, sieht zahm und klein aus. Unvorstellbar die Markierungen des Super-Hochwassers von 2002…

Barfus wandern ist erstmal gewöhnungsbedürftig, und 5 km über heißen Asphalt sind nur ein mäßig guter Anfang. 5 km nach Strand, in der Hoffnung dort Strand zu finden. Und die Feststellung, dass Strand ein Dorf ist. Weiterhin: Sonnenstich bekommen klappt in Sachen genauso gut wie zu Hause…

 

Die Edmundsklamm (Schlucht) ist gesperrt – wegen der zahlreichen Unwetter sind die Stege weggerutscht und Geröll auf die Wege hinabgerutscht. So wandern wir zum kleinem Präbatschtor auf wilden, der Natur überlassenen, Rollstuhl und Kinderwagen ungeeigneten Wanderwegen. Auf das Präbatschtor kann man sogar klettern – einige Hilfen sind in Stein gemeißelt. Trotzdem wäre so was in Deutschland wohl unmöglich – ungesichert auf die 4m hohe Felsformation auf der Spitze eines Berges zu klettern, wo oben eine prima Aussicht wartet und es zu allen Seiten tief hinab geht.

An den Rändern der Wanderwege suchen wir immer wieder erfolgreich mirtilli – Heidelbeeren, und obwohl die meisten schon geerntet wurden, finden wir an ein paar abgelegenen Stellen auch noch welche. Ganze Hände voll. Nachher sind Hände, Lippen und Zungen blau.

Nachher ein Ausflug nach Decin (Tetschen), eine verschlafene, kleine Stadt in Teschechien. Doch am 6.7. ist dort Feiertag (nach google: Tag des Flammentodes des Meisters Jan Hus – er wurde am 6.7.1415 als Ketzer verbrannt.), Parken auf dem Marktplatz, durch den diagonal die Hauptstraße führt, gratis und die meisten Geschäfte haben geschlossen. Als ein Unwetter beginnt, fahren wir zurück über die Grenze.

Doofster Witz des Tages: „Immerhin hat er Pflanzennamen auf Latein gewählt, und nicht auf schwedisch. Muss ein helles Köpfchen gewesen sein, dieser Schwede.“ – Bestimmt. Die meisten Schweden sind blond.“

 

Strahlender Sonnenschein. Görlitz und Zgorzelec, die Stadt an der Neiße – zweigeteilt in westlich und östlich, in Deutschland und Polen. Wunderschöne alte Gründerzeithäuser, mal mehr mal weniger restauriert und renoviert und trotzdem von einem stechendem Feuchtigkeitsmief, der einem den Atem nimmt, umgeben.

In Polen kann man echt „polnisches“ Langnese-Eis essen, in Tschechien haben wir wenigstens eine tschechische Eismarke aufgetrieben gehabt, und zwar „Prima“. Echt tolles und ganz anderes Eis.

Und hiermit hab eich noch ein Land, in dem ich war, gesammelt, und dazu noch ein ganz besonderes, ein eurofreies, fremdes Geld ist doch immer etwas Schönes.

Abends: Spiegeleier XXL von Lidl – mit zwei Eidottern pro Ei. 3 Eier machen 6 Spiegeleier. Aufgrund der Kochplattenknappheit und des Vorhandenseins eines Eierkochers, bot sich an, diesen zu benutzen. Doch eine Frage bleibt: Wie funktioniert so ein Eierkocher eigentlich?

Nimmt man für jedes Ei die Wassermenge oder ist diese unabhängig von der Menge der zu kochenden Eier?

Nun ja, immerhin haben wir dieses Experiment wegen Platzmangel auf dem Balkon gestartet, so dass die nicht geringe Dampfentwicklung, die nach der Zufuhr großer Wassermassen nach dem Verdampfen der Standardmenge, begann, kein Problem  darstellte. A propo: Klingelt das Gerät eigentlich wenn die Eier fertig sind – oder pfeift das? Oder woran merkt man, dass die Eier fertig sind??!!??

 

Nach einem Bummel durch Meißen und einer dortigen, durch einen Gewitterplatzregen verursachten Einkehr im Cafè der Manufaktur Meißen – Kakao/Kaffee und Torte von und aus echtem Meißener Porzellan – folgte dann die Autofahrt zum Schloss Moritzburg, erbaut von August, dem Starken, einem richtigem Spielkind: Er baute sich ein Schloss auf eine Insel im See, ein Lustschloss mit Chinesenfigur auf dem Dach (Fasanenschloss) an einen benachbarten See, und segelte zwischen diesen Schlössern auf einem kleinem Segelboot hin und her. Dabei träumte er davon, in China zu sein, und hatte sogar der Authentizität wegen einen eigenen Leuchtturm am See.

 

In Rathen haben wir mit der Fähre übergesetzt, aufgrund des Hochwassers nicht mit der Gierseilfähre, sondern mit einer Motorfähre. Nach einem Bummel durch das Dörfchen sind wir am Amselsee und den Schwedenlöchern (Felshöhlen und Löchern) vorbei zur Bastei aufgestiegen. Dort haben wir im Panoramorestaurant mit Blick auf die Elbe einen kräftigen Regenschauer überstanden und haben dann den Rückweg angetreten, übers Felsenmeer, die Bastei-Brücke hinab und durch einen Regenschauer zurück zur Elbe.

Dann vor der Dorfkneipe mit Blick auf die Elbe Gulasch gemampft, letzte wenige Sonnenstrahlen der Abendsonne genossen, und anschließend wieder übergesetzt.

 

Juli 2, 2009

Sommerakademie 2009

Diese Woche war für viele Schüler der Höhepunkt des Jahres die letzte Schulwoche vor den Sommerferien – die Woche der Sommerakademie. Nicht nur das Wetter war umwerfend sonnig, auch die positive Gesamtstimmung und das Gemeinschaftsgefühl rund um die Mathematik war wieder einmal ein besonderes Erlebnis.

Die Gruppenspiele am Anfang der Akadmie, die eigentlich nur für die Kleinen angesetzt waren, wurden auch teilweise von 7/8 begeistert besucht, die alle nach dem ersten Vortrag endlich mal Leute kennen lernen wollten.

Während vormittags in zwei Unterrichtseinheiten die Mathematik, ihre Schönheit, aber auch Wettbewerbstraining, im Vordergrund stand, war das nachmittägliche Rahmenprogramm bunt durchmischt: Mathematische Vorträge und Wettbewerbe, Chor und Orchester, Sport und Spiel: Die Großen waren wie jedes Jahr auf der Niers paddeln, diesmal mit Sonnenschein, und die Niers kam öfter ins Kanu und die Teilnehmer in die Niers – also eine gelungene Paddelaktion mit ganz viel Platsch 😉

Wie jedes Jahr gab es einen Salsa-Tanzkurs und Freitag Abend wurde dann für 150 Leute gegrillt – mit arg krassen Regeln um das Chaos des letzten Jahres zu vermeiden: Der Würstchenbote (ein 5-Klässler) wurde meistens überfallen, bevor er mit den Würstchen in die Nähe des Buffets kam. Anschließend das Lagerfeuer, das auch den gewittrigen Abend vergessen ließ, und so richtig tolles Lagerfeuer-Feeling: Heißer Feuerschein im Gesicht und gemeinsam Lieder, von einer Gitarre begleitet, gesungen. Gemeinschaft. Und nachher dann gewartet, bis die Glut verglüht.

Auch Nachtspaziergänge boten sich bei dem weitläufigem Wald an, seltsame Vögel waren zu hören und ich war/bin überzeugt gewesen Wildschweine gehört zu haben, sehr zur Belustigung der Anderen.

Bei der Gruselwanderung haben mich die Gruselgeschichten nicht weiter gestört, nur so generell schreckhaft war ich schon ;), war also auch eine tolle Gruselwanderung quer durchs Unterholz – mit nachher vielen trotz langer Hosen verzeckten Teilnehmern.

Beim Schwimmen war auch der Außenbereich des Spaßbades endlich wieder einmal offen – der Baggersee. Während das Spaßbad innendrin hoffnungslos überfüllt war (könnte auch an den 100 Leuten von uns gelegen haben) war der See herrlich kühl und erfrischend.

Das Samstagabend Highlight war eindeutig „Schlag den Wambach“ – eine geniale Neuauflage von einer ähnlich heißenden Fernsehsendung mit coolen Spielen, wie Zahnpasta-Wettdrücken und Vornamen von Mathematikern wissen.

Sonntagabend dann die Taizè-Andacht, zum ersten Mal gibt es ein derartiges Angebot und der Chor übt auch dafür Taizè-Lieder. Letztendlich kommen zwar außer dem Chor nicht viele Teilnehmer, nur eine handvoll, aber trotzdem entsteht in der Kapelle eine tolle Stimmung. Auch wenn sich zeigt, dass die Andacht eigentlich für das falsche Publikum angeboten wurde und manche die schon in Taizè waren, die Liederauswahl nicht mochten und meinten, es wäre keine echte Taizé-Andacht gewesen, mir hat das richtig gut getan. Vor allem die Stille zwischendurch, Stille  inmitten einer Woche Chaos, Stille und Zeit für Gott und sich selber.

Die ganze Woche endete mit unserem bunten Abend, ein dreistündiges buntes Programm, das bewies, das Mathematiker viel mehr können, als nur Mathematik: Nämlich Singen, Musizieren, Jonglieren, Einrad fahren, Diabolo spielen, Sketche und Comedy aufführen, lustige Spiele zwischendurch zur Auflockerung (hat die Schüler oder die Dozentengruppe schneller eine Pyramide gebaut? Und welche ist mehr wert? – die der Dozenten, Menschenpyramide war eindeutig cooler), Improvisationstheater, ein Rap, unsere Hymne, das Kranenburglied, dass um zwei Strophen erweitert wurde zu Ehren der Studentin, die vor 12 Jahren als Schülerin anfing, und seitdem bis heute die Sommerakademie maßgeblich gestaltet hat, einfach weil sie „alles“ konnte und immer und überall mit anpackte. Und dabei wurde mir einfach noch mal krass die Begrenztheit dieser Gemeinschaft klar, die doch einfach jedes Jahr was ganz besonderes ist: Alters- und Jahrgangsstufenübergreifend, Schüler, Lehrer und Studentenübergreifend, Gemeinschaft ohne Vorbehalt. Vor allem sind einfach viele Schüler dabei, die daheim in ihren Klassen und im Schulsystem so wie es ist, generell anecken. Gerade diesen kann man so viel geben und zeigen, dass es auch Orte gibt, wo sie als Ganzes und auch mit ihren Interessen für Mathematik etc. akzeptiert werden.

In Kranenburg wurd‘ wieder Mathe gemacht.
Sommerakademie!
Gerechnet, gesungen, gespielt und gelacht.
Sommerakademie!
Da steht der Herr Wambach, der wieder einmal betont:
„Für glückliche Gesichter hat sich der Stress gelohnt!“

Für mich ist Sommerakademie nicht nur eine Zeit, sondern ein Gefühl und eine Stimmung, ein Gefühl von Sommer und Freiheit und Glücklichsein.